Landschaftsverband Suedniedersachsen

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BAND V

Monika Haubrich-Gebel
Kultur und Wirtschaft

Die Bedeutung der kulturellen Infrastruktur für die Wirtschaft und die Stadtentwicklung. Das Beispiel Göttingen

202 Seiten, zahlreiche Tabellen und Statistiken, gebunden

Reichold Verlag, Braunschweig

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Die Sparpolitik der Öffentlichen Hand zwingt zu schwerwiegenden Einschnitten bei der finanziellen Unterstützung des kulturellen Sektors. Die finanzielle Förderung der Kultureinrichtungen als freiwillige Aufgabe von Stadt, Land oder Bund wird zunehmend in Frage gestellt. Die Forderung nach verstärktem Kultursponsoring durch die private Wirtschaft als Ausgleich wird immer häufiger erhoben. Die vorliegende Arbeit liefert Grundlagen, Fakten und Argumente für eine Diskussion um neue Wege der Kulturförderung.

Sie setzt dabei drei Schwerpunkte:


Zusammenfassung der Ergebnisse (von Monika Haubrich-Gebel)

  1. Wirtschaftliche Auswirkungen

Wenn eine Kultureinrichtung mit finanzieller Unterstützung aus öffentlichen Haushalten gefördert wird, tragen die Besucher nicht die vollen Kosten für die Leistungen, die sie in Anspruch nehmen. Nach dem Inzidenzkonzept kommen aber die staatlichen Subventionen nicht nur den Zuschauern zugute, sondern fördern in einem vielstufigen Prozeß auch nicht direkt betroffene Wirtschaftsbereiche.

Die Ausgaben für die Kulturförderung erzeugen zunächst Primäreinkommen bei den Empfängern der Subventionen. Aus der Wiederverausgabung dieser Einkommen resultieren Einnahmen bei anderen Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen oder öffentlichen Kassen. Der Vorgang des Einnehmens und Ausgebens wiederholt sich im Wirtschaftsprozeß mehrfach.

Für Göttingen wird in der Studie berechnet, daß die Unterstützung einer Kultureinrichtung mit jährlich 1Mio. DM zu induzierten Zahlungen an die einheimische Wirtschaft in Höhe von 1,4 Mio. DM führt. Dabei werden auch die Nebenausgaben berücksichtigt, die auswärtige Besucher im Zusammenhang mit ihrem Theater- oder Konzertbesuch in Göttingen zurücklassen. Kultursubventionen sind also keine "verlorenen" Zuschüsse.

Im Vergleich zu anderen Städten erreichen Göttingens Kultursubventionen nur einen Rentabilitätswert wie er in der Regel bei Mittelstädten beobachtet wird. Gründe für diese ungünstigen Werte zeigt die genaue Analyse des Verbleibs der Mittel, die eine Kultureinrichtung aus Göttingen für ihre Sachkosten ausgibt. Insgesamt 40 % der Sachausgaben fließen aus der Region ab und kommen damit der einheimischen Wirtschaft nicht mehr zugute.

2. Das Publikum der Göttinger Kulturveranstaltungen

Im Durchschnitt kommen etwa 35,5 % der Besucher von Kulturveranstaltungen in Göttingen von außerhalb in die Stadt. Von diesen auswärtigen Besuchern stammen 36,3 % aus dem Landkreis Göttingen. Die angrenzenden Landkreise des südlichen Niedersachsens und nördlichen Hessens stellen mit 26,4 % die zweitgrößte Gruppe der auswärtigen Besucher dar, aus den neuen Bundesländern kommen dagegen nur 2,2 %.

Zwischen den einzelnen Veranstaltungen gibt es erhebliche Unterschiede in der Besucherzusammensetzung. Die Händel-Festspiele weisen mit fast 50 % den größten Anteil an auswärtigen Besuchern auf, fast 6 % aller Besucher reisen aus dem Ausland an.

Im Durchschnitt gibt ein auswärtiger Kulturbesucher zusätzlich zu den Eintrittskarten weitere 82 DM in Göttingen aus, auswärtige Besucher der Händel-Festspiele sogar fast 156 DM. Diese Nebenausgaben entstehen am häufigsten bei einem Restaurantbesuch, den etwa ein Drittel aller auswärtigen Gäste mit dem Besuch einer Konzert- oder Theateraufführung in Göttingen verbinden. Nur 13 % der auswärtigen Besucher nutzen die Gelegenheit auch zum Einkauf in der Stadt.

Mit fast 50 % ist der private PKW das von den Göttingern am häufigsten benutzte Verkehrsmittel für den Besuch der Kulturveranstaltungen. Beim Jungen Theater geben aber 58 % alle Zuschauer das Fahrrad als benutztes Verkehrsmittel an. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, in Göttingen dem Stadtbus, erreichen dagegen weniger als 20 % aller Besucher den Konzertsaal oder das Theater.

Der private PKW ist mit großem Abstand das am häufigsten benutzte Verkehrsmittel der auswärtigen Besucher von Kulturveranstaltungen in Göttingen. Bei Konzerten des Göttinger Symphonie-Orchesters benutzen fast 87 % aller auswärtigen Besucher den PKW und auch beim Jungen Theater etwa 62 %.

Befragt nach ihrer Einschätzung der Wichtigkeit kultureller Veranstaltungen für die Anziehungskraft der Stadt geben fast alle Kulturbesucher (98 %) als Antwort "wichtig" oder "sehr wichtig" an. Über 80 % aller Besucher bleiben für den Besuch von Kulturveranstaltungen in ihrem Heimatort Göttingen und gehen zu diesem Zweck selten oder nie in eine andere Stadt.

3. Kulturförderung durch Wirtschaftsunternehmen

Führenden Vertretern aus den Bereichen Kultur, Wirtschaft, Verwaltung und Politik im Raum Göttingen wurden erste Ergebnisse der wirtschaftlichen Analyse und der Publikumsbefragung vorgelegt. Sie wurden dabei befragt nach ihrer Einschätzung des vorhandenen Kulturbereichs und ihrem wirtschaftllichen Engagement in der Kulturförderung.

Das Göttinger Kulturangebot genießt ein hohes Ansehen. Bei der Aufzählung der wichtigsten kulturellen Einrichtungen in Göttingen wird das Deutsche Theater am häufigsten genannt.

Bei zwei von drei Unternehmen, die sich in den vergangenen Jahren in Göttingen angesiedelt haben, wurde bei der Standortwahl auch die kulturelle Anziehungskraft der Stadt berücksichtigt. 37 % aller Wirtschaftsvertreter sind der Meinung, das kulturelle Angebot beeinflusse die wirtschaftliche Weiterentwicklung ihres Unternehmens. Sogar 86 % aller Befragten insgesamt vertreten die Ansicht, die vorhandenen Kultureinrichtungen bilden einen stimulierenden Faktor für die Wirtschaftskraft der Region.

Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen sind zur Kulturförderung bereit oder darin längst engagiert.

Hervorgehoben wird von den Befragten aus den Bereichen Kultur und Politik, daß die Wirtschaft so uneigennnützig wie möglich Förderung betreiben solle und Kultur nicht zu Werbezwecken mißbrauchen dürfe.

Kulturveranstalter können auch selber noch einiges dazu beitragen, ihre eigenen Einnahmen zu erhöhen. Das Besucherpotential ist noch nicht ausgeschöft. Es gibt bei allen Veranstaltungen Bevölkerungsgruppen, die stark unterrepräsentiert sind. In den vorhandenen Einzugsbereichen des näheren und weiteren Umlandes gibt es für alle Veranstalter noch Möglichkeiten der Werbung um zusätzliche Besucher. In besonderer Weise gilt das für die angrenzenden Landkreise der neuen Bundesländer.