Landschaftsverband Suedniedersachsen

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[Auszug aus „Regionalisierung der Kulturförderung. Versuch Südniedersachsen. Evaluationsbericht“ von R. Hammmerbacher; ohne Fußnoten]

IV. Resümee für den Versuch Südniedersachsen und Empfehlungen zur Regionalisierung der Kulturförderung

Eine Evaluation der niedersächsischen Kulturförderung muss sich mit ausdifferenzierten, unsystematischen und nur teilweise dokumentierten Strukturen auseinandersetzen.

Hinzu kommen unterschiedliche Anforderungen an die Kulturförderung durch das breite Spektrum von der – finanziell betrachtet – Bagatellförderung aus Pauschalmitteln über die Förderung überregional bedeutsamer Projekte, die hohen fachlichen Ansprüchen gerecht werden müssen bis hin zur kostenintensiven institutionellen Dauerförderung für besondere, kulturpolitisch festgelegte Einrichtungen.

Einfache Aussagen sind vor diesem Hintergrund weder sachgerecht noch machbar. Die Evaluation des Versuch Südniedersachsen hat jedoch eine Reihe von Bewertungen ermöglicht und zeigt darüber hinaus Trends und Fragen auf, die für eine weitere Regionalisierung der Kulturförderung des Landes von Bedeutung sind. Die wesentlichen Evaluationsergebnisse werden hier mit Blick auf die Effektivität, die Effizienz und die Transparenz der Kulturförderung und mit Blick auf die Zufriedenheit der Projektträger zusammengeführt.

 

Die Effektivität der Kulturförderung wurde anhand der Ziele betrachtet:

Wesentliche Ergebnisse und Empfehlungen zur Effektivität :

Eine ausreichende quantitative Versorgung mit kulturellen Angeboten kann für das Gebiet des LVS als gegeben betrachtet werden. Diese Situation wurde bereits 1998 in einer Projektträgerbefragung bestätigt. Hierzu passt auch der Befund der aktuellen Evaluation, dass sowohl in Südniedersachsen wie auch in dem Bereich der Bezirksregierungen Braunschweig und Lüneburg ein Trend zu aufwändigeren Projekten vorhanden ist. Auch die damit verbundene wachsende absolute Höhe von Eigenmitteln der Projektträger verweist auf eine gute Versorgungsbasis.

Aufgaben der Kulturförderung in diesen Regionen sind daher einerseits die Aufrechterhaltung und wirtschaftliche Sicherung und andererseits die Entwicklung von besonderen Profilen und Qualitäten der Angebote.

Dabei geht es zunächst um kulturelle Profilierungen. Hierfür stehen auf Landesebene und bei den Projektträgern selbst Potenziale zur Verfügung. Die Potenziale der regionalen Projektträger könnten allerdings durch ein stärker initiatives Vorgehen der regionalen Fördereinrichtungen besser genutzt werden. Entsprechende Ansätze, wie z.B. die Kooperation zwischen verschiedenen Genres oder die gezielte Entwicklung neuartiger kultureller Konzeptionen werden bislang kaum umgesetzt, auch nicht im Versuchsgebiet Südniedersachsen. Im Bereich des LVS sollte geprüft werden, ob sich nach Abschluss der mit Mehraufwand verbundenen Aufbauphase als Bewilligungsbehörde Personalkapazitäten für das o.a. initiative Vorgehen finden.

Mit Blick auf die Qualitätssicherung einer weiter regionalisierten Kulturförderung und einer dann evtl. stärker initiativen Rolle der regionalen Fördereinrichtungen ist die Frage zu klären, wie ein Austausch und konstruktiver Vergleich (benchmarking) zwischen den Regionen gesichert werden kann. Zur Qualitätssicherung kann auch das relativ unaufwändige Instrument einer regelmäßigen standardisierten Projektträgerbefragung eingesetzt werden. Die regelmäßige elektronische Dokumentation der Förderprojektdaten, wie bei LVS bereits breit praktiziert, bildet eine wichtige Basis und Arbeitserleichterung für alle Ansätze der Qualitätssicherung.

Die in dem Versuch Südniedersachsen erprobte Konzeptionsförderung könnte kulturelle Profilierung und eine verbesserte eigene wirtschaftliche Sicherung der Projektträger miteinander verbinden. Zu ihrem Erfolg sind aber noch keine Aussagen möglich. Zur wirtschaftlichen Sicherung tragen auch organisatorische Kooperationen zwischen Projektträgern bei, die der LVS konsequent motiviert hat. Um zu einer realistischen Einschätzung der Eigenmittelquote und damit der eigenen wirtschaftlichen Basis zu kommen, die durch Projektträger aufgebracht wird, sollte die Definition der LHO ausgeweitet werden oder zumindest eine breitere Erfassung der mobilisierten Mittel sichergestellt werden. Eine genauere Erfassung wird voraussichtlich günstigere Ergebnisse als zur Zeit erkennbar, belegen.

Die Mobilisierung von breiten Potenzialen in den Regionen wirft Fragen auf. Hierfür ist ein gezieltes Vorgehen zur Motivierung und Qualifizierung erforderlich, für das Ressourcen definiert werden müssen. Ob der dadurch entstehende zusätzliche Aufwand durch tatsächlich vorhandene Potenziale gerechtfertigt ist, sollte im Einzelfall anhand einer Bedarfsanalyse und eines Programms entschieden werden. Mit gezielten Programmen, wie z.B. das erfolgreiche Förderprogramm Ländlicher Raum der LAGS, könnten dabei auch die für Niedersachsen als Flächenstaat relevanten Lücken in der Flächendeckung durch Projekte geschlossen werden.

Ein eindeutiges Ergebnis des Versuch Südniedersachsen für die Effektivität der Kulturförderung kann im Rahmen dieser Evaluation noch nicht festgestellt werden. Grundsätzlich können jedoch die hier angesprochenen Aufgaben von solchen Einrichtungen am besten wahrgenommen werden, die neben der effizienten Verwaltung der Fördervorgänge auch eine aktiv koordinierende und motivierende Rolle für die regionalen Projektträger übernehmen.

 

Die Effizienz der Kulturförderung wurde anhand des Ziels betrachtet:

Wesentliche Ergebnisse und Empfehlungen zur Effizienz:

Durch die Zusammenführung von Ressourcen des LVS und des MWK konnte in mehrfacher Hinsicht eine Steigerung der Effizienz der Kulturförderung in Südniedersachsen erreicht werden. Die Produktivität der LVS-Geschäftsstelle für Aufgaben der Kulturförderung konnte erhöht werden. Die Kosten des Landes für das zusätzlich für den Versuch bei LVS eingesetzte Personal liegen im Verhältnis zu dem damit verwalteten Mittelvolumen niedriger als der Personalansatz bei den befragten Bezirksregierungen Braunschweig und Lüneburg für vergleichbare Mittelhöhen. Im Ergebnis findet damit eine Substituierung von Landesmitteln durch regional aufgebrachte Mittel bzw. eine Nutzungsintensivierung von Landesmitteln, die zuvor für die eigene Arbeit des LVS definiert waren, statt.

Unabhängig von dieser insbesondere aus Landessicht positiven Effizienzentwicklung durch den Versuch zeigt die Evaluation aber auch, dass eine reine Effizienzbetrachtung der Kulturförderung nicht zielführend ist. Sie kann jeweils nur für definierte Bereich erfolgen und muss die Aufgaben und Rahmenbedingungen durch unterschiedliche Qualitätsanforderungen an die Förderprojekte bzw. -einrichtungen, Charakteristik der einzelnen Kultursparten und unterschiedliche Regionen berücksichtigen.

Eine Effizienzbetrachtung kann in der Regel nicht kurzfristig erfolgen, sondern muss langfristig angelegt werden. Eine kontinuierliche Erhebung der Aufwandsdaten, wie bei LVS und LAGS bereits praktiziert, ist erforderlich. Auf Basis solcher Daten können Verbesserungspotenziale in der Förderverwaltung genauer erkannt werden. Für öffentliche Geldgeber, Projektträger und die interessierte Öffentlichkeit kann Transparenz über die Verwendung der Mittel hergestellt werden.

Der Versuch Südniedersachsen hat eine Effizienzsteigerung im Bereich der dort eingesetzten Landesmittel erbracht. Ob auch eine Effizienzsteigerung des bei LVS für die Fördergelder des Landes insgesamt eingesetzten Personals im Verhältnis zu dem Personaleinsatz der Bezirksregierung Braunschweig in der Vorgängerregelung stattgefunden hat, kann aufgrund der Datenlage nicht beurteilt werden.

 

Transparenz ist eine wesentliche Voraussetzung für effiziente Kommunikation und damit auch für die Arbeit einer Förderverwaltung. Transparenz wurde anhand der folgenden Ziele für den Versuch Südniedersachsen betrachtet:

Wesentliche Ergebnisse und Empfehlungen zur Transparenz:

Durch umfassenden Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung und Bereitstellung von greifbaren Informationen über die Fördervorgänge hat der LVS in dem Versuchsgebiet die Transparenz der Förderung gerade für kleinere Projektträger sichtbar erhöht.

Eine Transparenz der Antragsbewertung in den Fachgremien auf Landesebene ist nur für Insider gegeben. Sie könnte durch besser nachvollziehbare Regelungen für diese Gremien mit überschaubaren Mitteln verbessert werden. Daraus würde sich auch eine Entlastung der Beratungstätigkeit der regionalen Förderverwaltung für Antragsteller ergeben.

Einen Beitrag sowohl zur Effektivität wie zur Effizienz liefert die Verfügbarkeit von transparenten und qualifizierten Förderkriterien für die Projekte, die auf regionaler Ebene bewertet und entschieden werden. Diese liegen für LVS und LAGS vor.

Die Transparenz der niedersächsischen Kulturförderung kann auf regionaler Ebene, wie von LVS gezeigt, durch nachvollziehbare Verfahrensweisen und greifbare Informationen über die Fördervorgänge deutlich erhöht werden. Auf Landesebene sollte die Arbeit der Fachgremien transparenter gemacht werden.

 

Als wichtiger Ausdruck der Gesamtbewertung aus Sicht der direkten Partner des Landes in der Kulturförde-rung ist schließlich die Zufriedenheit der Zuwendungsempfänger Ziel des Versuch Südniedersachsen.

Wesentliche Ergebnisse und Empfehlungen zur Zufriedenheit:

Die Zufriedenheit der Projektträger mit den Abläufen der Kulturförderung im Bereich des LVS ist zur Zeit nur noch in wenigen Fragen zu steigern. Die Zufriedenheitswerte, die die Dienstleistungen des LVS bei den Projektträgern aktuell erreichen, haben die bei einer älteren Befragung noch erkennbaren mäßigen Werte zugunsten sehr guter bis guter Bewertungen ersetzt.

Eine starke Minderheit der Projektträger bewertet zudem die Tätigkeit des LVS im Vergleich zu der Vorgängerregelung als besser. Auf Ebene der betrachteten Bezirksregierungen wurde allerdings bisher eine Befragung von Projektträgern nicht durchgeführt, so dass hier keine angemessene Vergleichsmöglichkeit vorliegt.

Im Zuge einer Regionalisierung sollten regelmäßige standardisierte Befragungen der Projektträger eingeführt werden. Mit diesem Instrument können Kundenorientierung und Qualitätskontrolle unaufwändig miteinander verbunden werden.