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PRESSEMITTEILUNG
Kultur wird erforscht
Befragung in Südniedersachsen / Angebot soll verbessert werden
Göttingen. Das Publikum in den Kultureinrichtungen - wer ist das eigentlich? Wer sind diejenigen, die sich für Musik oder Museen interessieren? Und wo sind die anderen, die man nie in einer Kulturveranstaltung sieht? Warum bleiben sie fern? Diese Fragen stellt sich nicht nur der eine oder andere Konzertbesucher, wenn er über die Reihen vor sich schaut. Das fragen sich vor allem die Kulturveranstalter selbst. Denn für sie ist das Interesse an ihren Angeboten nicht nur eine Bestätigung ihrer Arbeit. Ob viele oder wenig Besucher den Weg zur Kultur finden, davon hängen auch Eintrittseinnahmen ab und vor allem die Rechtfertigung für den Erhalt von Fördermitteln. Welche Stiftung, welche Stadt gibt schon gerne Geld für Kunst aus, die keiner sehen will?
Der Landschaftsverband Südniedersachsen ist ein solcher Förderer. In ihm haben sich die Landkreise und Städte der Region zusammengeschlossen, um mit Unterstützung des Landes und der Versicherungsgruppe Hannover (VGH) die Kultur zu unterstützen. Der Verband beginnt jetzt, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. In einem ersten Schritt wird das Kulturangebot erfasst: Wo gibt es welche Kultureinrichtungen, wie viele Veranstaltungen führen diese im Jahr durch? „Natürlich sind uns alle wichtigen Kultureinrichtungen in der Region schon bekannt“, erläutert Annika Jühne, die das Projekt „Kulturforschung“ beim Landschaftsverband betreut. „Aber wir brauchen zunächst einen systematischen Überblick, um dann die nächsten Schritte anzugehen.“
In enger Zusammenarbeit mit vielen Kultureinrichtungen folgt im Mai eine groß angelegte Befragung des Publikums in den Kultureinrichtungen. Dabei soll nicht nur das Alter und der Wohnort erfragt werden, sondern auch, wie man von diesem Angebot oder dieser Veranstaltung erfahren habe. Die Veranstalter setzen große Hoffnungen auf diese Erkenntnisse, berichtet Annika Jühne. Denn sie möchten mit Hilfe dieser Erkenntnisse Programm, Werbung und Service verbessern.
Noch interessanter ist jedoch, etwas von denen zu erfahren, die man nicht in den Kultureinrichtungen antrifft. Was muss geschehen, damit diese zu Kulturbesuchern werden? Zu dieser Frage gibt es bereits einige wissenschaftliche Untersuchungen, erklärt Dr. Susanne Keuchel. Sie arbeitet am Zentrum für Kulturforschung in Bonn und ist mit der wissenschaftlichen Beratung und Auswertung des Projekts beauftragt. Für sie ist besonders interessant, diesen Fragen bezogen auf eine bestimmte Region nachzugehen. Im nächsten Jahr sollen die Ergebnisse vorliegen.
„Wir erwarten nicht nur nützliche Hinweise für die Kulturanbieter. Auch der Landschaftsverband wird dann besser einschätzen können, welche Wirkungen seine Kulturförderung hat“, teilt Olaf Martin mit, der Geschäftsführer des Landschaftsverbandes. Er sieht noch einen größeren Zusammenhang: „Südniedersachsen ist vom Bevölkerungsrückgang besonders betroffen. Spielt Kultur für die Menschen eine Rolle, wenn sie überlegen, hierher zu ziehen oder eine Familie zu gründen? Gehört das zur Lebensqualität dazu?“ Daher werden die Ergebnisse des Projekts „Kulturforschung“ sicher auch für Kommunalpolitiker von Interesse sein.
Die Planungen wurden am Mittwoch in Göttingen mit Vertretern von Kultureinrichtungen diskutiert, um deren Wünsche und Erwartungen zu berücksichtigen. Seitens der Stadt Göttingen wird zeitgleich eine Kulturentwicklungsplanung durchgeführt. Die beiden Projekte ergänzen sich gut, das Kulturamt und der Landschaftsverband tauschen ihre Erkenntnisse laufend aus, berichtet Projektleiterin Jühne.
Das Land Niedersachsen unterstützt den Landschaftsverband bei der Kulturforschung mit einem Zuschuss in Höhe von 46.000 Euro. Dort möchte man sehen, ob sich solche Befragungen in abgewandelter Form auch landesweit durchführen ließen.
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Fakten und Daten
1. Übergeordnete Ziele
- Erfassung des aktuellen Kulturangebots und -bedarfs, um überprüfbare Ziele für die Zukunft in der Kulturförderung festzulegen (Gewinn von Erkenntnissen, die ggf. für ein landesweites „Kultur-Monitoring“ genutzt werden können)
- Untersuchung des demografischen Wandels auf das Kulturleben der Region und umgekehrt des Kulturlebens auf Zu- und Abwanderung der Bevölkerung
- Suche nach Möglichkeiten der Verbesserung des regionalen Kulturangebots durch gesicherte Erkenntnisse über Besucher und Nichtbesucher
2. Finanzierung des Projekts
- Das Land Niedersachsen fördert die Untersuchung als Pilotprojekt mit 46.000 €
- Der Landschaftsverband Südniedersachsen bringt 2009 und 2010 Eigenmittel in Höhe von insgesamt 55.000 € ein
- Die Einrichtungen beteiligen sich an den Kosten
3. Ablauf
Partner: Zentrum für Kulturforschung Bonn (ZfKf) - www.kulturforschung.de
- 2009
- Erhebung des aktuellen Kulturangebotes durch Fragebogen an die Leitungen der Institutionen
- Besucherbefragung durch Fragebögen in den Institutionen (Mai bis Dezember)
- Repräsentative Bevölkerungsumfrage durch ein externes Institut zu Kulturverhalten und Kulturleben in der Region Südniedersachsen (Sommer)
- 2010
- Auswertung der erhobenen Daten, Vorstellung in exklusiven Veranstaltungen für die Teilnehmer
- Umsetzung der Ergebnisse beim Landschaftsverband und in den Einrichtungen
- Veröffentlichung der Ergebnisse
4. Besucherbefragung
- Als mögliche Teilnehmer angeschrieben wurden rund 130 Museen, Konzertveranstalter, Ausstellungshäuser und -veranstalter, Orchester, Kantoreien, Programmkinos, Theater, Bibliotheken und soziokulturelle Zentren im Verbandsgebiet des Landschaftsverbandes Südniedersachsen
- Angestrebt wird eine Teilnahme von maximal 60 Einrichtungen verschiedener Größenordnung und aus allen Sparten
- Insgesamt bedeutet dies die Befragung von ca. 6000 Personen, die Besucher von Kulturveranstaltungen in Südniedersachsen sind
5. Repräsentative Bevölkerungsumfrage
- Telefonumfrage bei 2000 in Südniedersachsen wohnhaften Personen zu ihrem Kulturverhalten