Pressemappe: Abschlussveranstaltung Provenienzforschung 2017

Provenienzforschung in Südniedersachsen – Abschlussveranstaltung am 11.09.2017 in Osterode

Museum Northeim, Postkarte mit Kaufangebot der Antiquitätenhandlung Joseph Oberdorfer in Augsburg.
Joseph Oberdorfer stammte aus einer jüdischen Familie aus Bayerisch-Schwaben, sein Sohn Alex führte das Geschäft bis in die NS-Zeit weiter. Auch das Museum Hann. Münden kaufte bei Oberdorfer ein.

Museum Northeim, Postkarte mit Kaufangebot der Münzhandlung Button in Frankfurt a.M.
Unter dem überklebten Absender befindet sich der Name des früheren jüdischen Besitzers Adolph Cahn. Zwischen 1935-39 musste Adolph Cahn unter Druck der Nationalsozialisten das Geschäft aufgeben. Ob das Northeimer Museum die angebotenen Münzen kaufte, muss noch überprüft werden. Allerdings sind sowohl Eingangsbuch als auch ein Großteil der Münzsammlung 1945 im Bergwerksschacht Volpriehausen verloren gegangen, sodass nach alternativen Quellen für die Klärung dieses Verdachts gesucht werden muss.

Museum Osterode, Historisches Schaufenster vom Haus Kornmarkt 6 in Osterode. Das Haus gehörte dem jüdischen Kaufmann Emil Hochberg.

Museum Osterode, Bild mit kommunistischen Symbolen.
Das Bild wurde von den Nationalsozialisten 1933 in Osterode-Freiheit beschlagnahmt und 1937 in der NSDAP-Abteilung des Museums als „gegnerisches Material“ ausgestellt.

Museum Seesen, hebräische Drucke der jüdischen Jacobson-Schule Seesen.
Die Schule wurde 1801 von Israel Jacobson gegründet und ging aufgrund der Wirtschaftskrise 1921 in staatliche Trägerschaft über. Die wertvollen Schriften blieben dabei Eigentum der Jacobson-Stiftung, die in der NS-Zeit aufgelöst wurde. Ob die Drucke im Museum Stiftungseigentum waren, ist noch zu klären.

Museum Uslar, Bogen der Herero in Namibia.
Der Spender F. Hartmann war Soldat bei den Schutztruppen in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Für seinen Einsatz bei der Niederschlagung des Auftstands der Herero und Nama, in dessen Verlauf 1904-08 etwa 70.000 Menschen ums Leben kamen, bekam er eine Anerkennungsmedaile vom Kaiser Wilhelm II verliehen.

Museum Uslar, Hocker aus Holz mit Schnitzereien. Dieser Hocker wurde zwischen 1941 und 1945 von russischen Zwangsarbeitern in den Ilse-Werken, einer großen Möbel-Fabrik in Uslar,
hergestellt. Mit diesem Objekt rückt nicht nur die Zwangssituation beim Erwerb historischer Objekte, sondern auch bei der Produktion zeitgenössischer Gegenstände in den Fokus der Provenienzforschung.

Museum Uslar, Haggadah für Pessach von Heinz Kahlberg aus Uslar.
In der Sammlung des Museums befinden sich eine Reihe Judaica wie Bücher, ein Kalender aus der Synagoge Bodenfelde und eine Mesusa. Ein Teil der Gegenstände stammt aus dem Handel, der Rest von jüdischen Familien vor Ort. Die Eingangsumstände in das Museum müssen noch genauer überprüft werden.

Museum Uslar, dieser Zinnteller vom Beginn des 18. Jh. weist neben den lateinischen Initialen die hebräischen Buchstaben JH auf, ein Indiz für die Verwendung in einem jüdischen Haushalt. Zur Zeit sind noch keine Hinweise zum Weg des Tellers in die Sammlung bekannt