Nach dem Erstcheck – Provenienzforschung zu Verdachtsfällen und ausgewählten Beständen in den Stadt- und Regionalmuseen Südniedersachsens

Erforschung der Verdachtsfälle

Während des Erstchecks wurden 85 eindeutig belastete Objekterwerbungen dokumentiert, d.h. ihr Erwerb von in der NS-Zeit verfolgten Gruppen oder Einzelpersonen konnte eindeutig belegt werden. Mehr als 200 Objekte weisen eine bedenkliche Provenienz auf.  Die dokumentierten problematischen Erwerbskontexte reichen von Vereinen der linken Arbeiterbewegung, Freimaurerlogen, jüdischen Institutionen und Familien hin zu konfessionellen Institutionen, Zwangsarbeitern und Kriegsbeute der Wehrmacht.

In der laufenden Tiefenforschung werden die Verdachtsfälle und offenen Fragen aus dem Erstcheck nach Möglichkeit geklärt. Ziel ist die Dokumentation und Offenlegung der untersuchten Provenienzen. Die Dokumentation erfolgt in der Museumsdatenbank kuniweb, die Transparenz für die Öffentlichkeit wird durch Publikationen, Vorträge, ein Kolloquium (2019) und eine Wanderausstellung (2021) angestrebt. Wo ein zwangsbedingter Entzug eindeutig belegt werden kann, werden die Objekte an Erben bzw. Rechtsnachfolger restituiert.

 

Ergebnisse der Forschungen 2018

 

© Landschaftsverband Südniedersachsen e.V.

Während im Heimatmuseum Duderstadt der Verdacht für Objekte aus kirchlichen Kontexten und aus anonymen Auktionen der NS-Zeit mit Hilfe öffentlicher und kirchlicher Archive entkräftet werden konnte, blieb der Verdacht des Zwangsentzugs eines Silberlöffel aus der jüdischen Familie Meinhold Ballin bestehen. Weitere Details zu der Forschung in Duderstadt wurden publiziert:

Christian Riemenschneider (2018). Gekauft, geschenkt, enteignet? Provenienzforschung in Südniedersachsen am Beispiel des Heimatmuseums Duderstadt. In: Eichsfeld-Jahrbuch, 26. Jahrgang, Duderstadt 2018, S. 251-267

 

 

© Landschaftsverband Südniedersachsen e.V.

Im Stadt- und Tiermuseum Alfeld wurde unter anderem die Provenienz von zwei Freimaurerobjekten geklärt. Sie werden voraussichtlich 2019 der örtlichen Loge vom Museum als Dauerleihgabe überlassen. Weitere als verdächtig eingestufte Objekte sind nach eingehender Überprüfung heute nicht mehr in der Sammlung nachweisbar. Darüber hinaus kam bei der Sichtung der Museumsbibliothek ein weiterer Verdachtsfall hinzu. Das Buch konnte schließlich der jüdischen Familie Adolf und Karoline Plaut aus Hemmendorf, Kr. Hameln-Pyrmont zugeordnet werden. Es wurde nach ihrer Deportation 1942 mit dem Resteigentum der Familie versteigert. Die Kontaktaufnahme zu den Nachfahren läuft, eine Restitution des Buchs wird angestrebt.

 

 

Den Abschlussbericht der Forschungen für das Jahr 2018 finden Sie hier