Provenienzforschung

Logo des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste

Mit einer Auftaktveranstaltung am 6. Juni 2016 wurde in Südniedersachsen das landesweit erste Pilotprojekt zur Provenienzforschung gestartet. Es bezog fünf Stadt- und Regionalmuseen ein, die aus personellen und finanziellen Gründen nicht in der Lage sind, Recherchen zur Herkunft (Provenienz) ihrer Sammlungsbestände aus eigener Kraft durchzuführen.

Dafür wurde vom Museumsverband des Landes Brandenburg in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste ein „Erst-Check“ entwickelt, um festzustellen, ob ein Verdacht auf NS-Raubgut in den jeweiligen Beständen vorliegt. Dadurch lässt sich abschätzen, ob weiterführende Recherchen notwendig sind oder nicht. Für den „Erst-Check“ wurden Museen ausgewählt, deren Sammlungen um 1900 als klassische Altertumssammlungen aufgebaut wurden. Teilnehmende Museen waren 2016 das Stadtmuseum Alfeld, das Heimatmuseum Duderstadt, das Stadtmuseum Einbeck, das Städtische Museum Hann. Münden sowie das Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld.

In den Museen wurde nach Kulturgut gesucht, das zwischen 1933 und 1945 unrechtmäßig erworben worden sein könnte, z. B. von NS-Verfolgten wie Juden, politischen Parteien, kirchlichen Verbänden. Zusätzlich wurden Objekte gelistet, die nach 1945 durch Kauf, Schenkung oder Übernahme in die Museen gelangten und bei denen es Unklarheiten zur Herkunft gibt.

Porträtfoto von Dr. Christian Riemenschneider

Die Provenienzrecherchen wurden von Dr. Christian Riemenschneider (Foto) durchgeführt. Die Projektleitung liegt beim Landschaftsverband Südniedersachsen in Kooperation mit dem Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen sowie dem Museumsverband Niedersachsen und Bremen. Einschließlich der Kosten für die Print-Publizierung der Ergebnisse hat der Landschaftsverband knapp 20.000 € für dieses erste Pilotprojekt zur Provenienzforschung in Südniedersachsen ausgegeben, davon hat 15.000 € die Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste aus Bundesmitteln finanziert. Dieses erste Projekt endete am 28. November 2016 mit einer Abschlussveranstaltung im Städtischen Museum Hann. Münden.

2017 wurde bereits der nächste „Erst-Check in Stadt- und Regionalmuseen – Die fortgesetzt Suche nach NS-Raubgut“ in vier weiteren Museen der Region gestartet, wiederum mit Unterstützung des Zentrums, des Netzwerks Provenienzforschung und in der Zusammenarbeit mit Christian Riemenschneider. Beteiligt sind das Heimatmuseum der Stadt Northeim, das Museum im Ritterhaus Osterode, das Städtische Museum Seesen und das Museum Uslar. Bei der Abschlussveranstaltung am 11. September 2017 im Museum im Ritterhaus Osterode wurden die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Veranstaltung wurde durch Fachvorträge über andere Provenienzforschungsprojekte ergänzt. Aktuelle Information zum  zweiten Erst-Check-Projekt finden Sie hier.


  • Dokumentation der ersten Recherche 2016 auf den alten Internetseiten des Landschaftsverbandes
  • Abschlussbericht 2016 für die Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste als PDF-Datei (2,5 MB)
  • Publikation: Christian Riemenschneider, Provenienzforschung in fünf südniedersächsischen Museen. Ein Erst-Check auf unrechtmäßig entzogene Kulturgüter PDF-Datei (1,1 MB)
  • Informationen zur Abschlussveranstaltung am 11. September 2017 im Museum im Ritterhaus Osterode Pressemappe