Adolf Freiherr von Wangenheim

von 1994 bis 2017 Vorsitzender des Landschaftsverbandes Südniedersachsen


Porträfoto Adolf Freiherr von Wangenheim mit dem Gr. Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens
A. Frhr. v. Wangenheim (2007)

Übersicht:

 


Feierstunde

zur Verabschiedung des Vorsitzenden Adolf Freiherr von Wangenheim am 29. August 2017 im Herzberger Welfenschloss

Wenn sich ein Ministerpräsident in hektischen Zeiten die Muße nimmt, um bei der Verabschiedung eines Verbandsvorsitzenden die Festrede zu halten, dann muss es sich um jemand Besonderen handeln. Deshalb zeigte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil seine große Wertschätzung für den scheidenden Vorsitzenden des Landschaftsverbandes Südniedersachsen, Adolf Freiherr von Wangenheim, bei dessen anstehenden feierlicher Verabschiedung. Und in der Tat, von Wangenheim hat unauffällig, aber sehr wirksam wichtige Entwicklungen der Landespolitik in den vergangenen Jahrzehnten mitgeprägt. Seit 1994 war er Vorsitzender des Landschaftsverbandes Südniedersachsen und gab dieses Ehrenamt nun ab. Aus diesem Anlass fand am gestrigen Dienstag im Welfenschloss Herzberg eine Feierstunde statt, zu der etwa 60 Ehrengäste aus ganz Niedersachsen erschienen waren.

Dr. Peter Götz von Olenhusen und Logo des Landschaftsverbandes im Hintergrund
Dr. Peter Götz von Olenhusen

Sie wurden von Dr. Peter Götz von Olenhusen begrüßt, dem neuen Vorsitzenden des Landschaftsverbandes, der bis vor kurzem noch Präsident des Oberlandesgerichts in Celle war und jetzt wieder in seinen Heimatort bei Göttingen zurückgekehrt ist. Der Herzberger Bürgermeister Lutz Peters ließ es sich selbstverständlich nicht nehmen, die prominenten Gäste im über der Stadt gelegenen Schloss zu begrüßen.

Ministerpräsident Weil, Frhr. von Wangenheim, Landrat Reuter

Landrat Bernhard Reuter berichtete von der langen und sehr vertrauensvollen Zusammenarbeit im Landschaftsverband, aber auch von dem kurzen Draht zu von Wangenheim, wenn die regionalen Interessen in Hannover wahrzunehmen waren. Dass von Wangenheim aber nicht nur eigene oder lokale Interessen vertreten hat, sondern das Gesamtwohl des Landes im Blick hatte, sagte Ministerpräsident Stephan Weil. Er erinnerte vor allem an sein Wirken im Landtag, dem von Wangenheim von 1975 bis 1994 angehörte. Dort war er zum Schluss Vorsitzender des Haushaltsausschusses und Insider wissen, dass das im parlamentarischen Geschäft eine der einflussreichsten Funktionen ist.
Friedrich von Lenthe, der Aufsichtsratvorsitzende der VGH Versicherungen, ging auf die Verdienste von Wangenheims ein, die er als sein Vorgänger in diesem Amt erworben hat. Adolf von Wangenheim ist die enge Verbindung zwischen den Landschaftsverbänden und der VGH zu verdanken, die deren Kulturförderung auch in Südniedersachsen finanziell unterstützt. Schließlich ergriff auch der Geehrte das Wort und bedankte sich in seiner gänzlich uneitlen Art für das viele Lob. Mit seinen nunmehr 90 Jahren sei es an der Zeit gewesen, sich auch aus dem letzten öffentlichen Amt zurückzuziehen, für das er seinem Nachfolger viel Glück wünschte.
Übergabe eines Geschenkkorbes an Freiherr von Wangenheim

Dokumentation der gehaltenen Ansprachen:

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Biografische Daten

Adolf Freiherr von Wangenheim wurde 1927 in Waake auf dem Rittergut der von Wangenheims geboren, das seit 1700 im Besitz der Familie ist. Die Schule besuchte er in Waake und in Göttingen (staatl. Gymnasium, heute Max-Planck-Gymnasium). Nach dem frühen Tod des Vaters erbte er 1947 das Familiengut. Von 1945 bis 1949 erhielt er eine praktische Ausbildung in der Land- und Forstwirtschaft mit Abschluss als Landwirtschaftsgehilfe. Dem schloss sich der Besuch der Höheren Landbauschule in Witzenhausen mit Abschluss als staatlich geprüfter Landwirt an. Seit 1950 bewirtschaftete er den land- und forstwirtschaftlichen Betrieb selbst, ab 1975 wurde die Landwirtschaft verpachtet. Adolf Freiherr von Wangenheim ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Als Mitglied der Calenberg-Göttingen-Grubenhagenschen Ritterschaft wird er 1956 als Landschaftsrat in den Ausschuss (Präsidium) der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft gewählt, dem er bis 2006 angehörte. In dieser Eigenschaft wird er ab 1956 auch Mitglied des Brandkassenausschusses (Trägerversammlung) der Landschaftlichen Brandkasse Hannover, dem Kernunternehmen der VGH Versicherungen. Auf diesem Weg wird er 1962 Mitglied im Aufsichtsrat der landschaftlichen Brandkasse und seit 1967 auch dessen Vorsitzender; 1997 schied er aus diesem Amt und dem Aufsichtrat aus und ist seitdem dessen Ehrenvorsitzender.

Von 1956 bis 1991 war er Ratsherr der Gemeinde Waake. Nachdem die Gemeinde im Zuge der Gebietsreform mit ihren Nachbargemeinden zur Samtgemeinde Radolfshausen zusammengeschlossen worden war, gehörte er von 1973 bis 1976 auch dem Samtgemeinderat Radolfshausen an, nunmehr als Mitglied der CDU.

Für die CDU war Adolf Freiherr von Wangenheim Mitglied des Niedersächsischen Landtages von der 8. bis zur 12. Wahlperiode vom Juni 1975 bis Juni 1994. Dort gehörte er dem Ausschuss für Haushalt und Finanzen an, dessen Vorsitzender er schließlich vom Juni 1990 bis 1994 war.

Weitere Ehrenämter hatte er in der Arbeitsgemeinschaft für Agrarfragen, im Niedersächsischen Heimatbund, der Landwirtschaftskammer, in der Synode der Landeskirche Hannovers und im Missionsausschuss der Hermannsburger Mission inne.

1998 erhielt Adolf Freiherr von Wangenheim das Große Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens, den höchsten der drei Orden des Landes Niedersachsen.

Seine Leistungen und politischen Projekte in diesen verschiedenen Funktionen werden anschaulich beschrieben im Beitrag von Eike Christian Hirsch in einem 2007 zu seinem 80. Geburtstag erschienenen Sammelband.

Seit Juli 2017 lebt er zusammen mit seiner Frau in einem Seniorenheim in Göttingen.

 


Die Landschaftsverbände und der Landschaftsverband Südniedersachsen

Adolf Freiherr von Wangenheim hatte einen wichtigen Anteil an der „Gründungswelle“ der modernen niedersächsischen Landschaftsverbände in den 1980er- und 1990er-Jahren. Wenn nicht die, so war er doch zumindest eine der maßgeblichen Personen, die die damalige Landesregierung zu der Ankündigung brachte, jeden dieser Landschaftsverbände mit 100.000 DM im Jahr zu fördern.

In einem 1993 gehaltenen Vortrag gibt er selbst einen auch heute noch hilfreichen Überblick über die Entwicklung von den alten hannoverschen Landschaften hin zu den neu gegründeten Landschaftsverbänden.

Vom 1. Februar 1994 bis zum 29. August 2017 war er Vertreter der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft beim Landschaftsverband Südniedersachsen und zugleich dessen Vorstandsvorsitzender. In dieser Funktion hat er wesentlich zur seither erfolgreichen Entwicklung dieses kommunalen Verbandes für regionale Kulturförderung beigetragen. Wichtige Stationen waren hierbei zum Beispiel

  • 1996 die Einbeziehung von nichtkommunalen Kultureinrichtungen in die Verbandsarbeit durch Bildung des Beirats.
  • 2001 bis 2004 die Durchführung eines Modellversuchs, im Zuge dessen dem Landschaftsverband Aufgaben der damals noch existierenden Bezirksregierung übertragen wurden; dieses Projekt war dann die „Blaupause“ für die Regionalisierung der Landeskulturförderung ab 2005, in die dann alle niedersächsischen Landschaftsverbände einbezogen wurden.
  • 2016 die Übernahme der Aufgaben des aufgelösten Museumsverbundes Südniedersachsen im Bereich der Museumsberatung und -förderung.

Die von der Tagespolitik unabhängige Stellung der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft und die – nach Aufgabe seiner politischen Ämter – persönliche Neutralität Adolf Freiherr von Wangenheims verschafften ihm unter den Verbandsmitgliedern und im Vorstand des Landschaftsverbandes hohen Respekt und allseitige Anerkennung.

 


Ausschnitte aus einem Film-Interview

Der Vorsitzende des Heimatvereins Waake-Bösinghausen e. V., Dieter Kulle, hat am 17.5.2006 ein Interview mit Adolf Freiherr von Wangenheim geführt, in dem es um die Ortsgeschichte und vor allem auch seine Biografie ging. Dieses Interview ist in einem knapp dreiviertelstündigen Film dokumentiert, der beim Heimatverein Waake-Bösinghausen oder beim Landschaftsverband verfügbar ist. Im Folgenden werden fünf interessante Ausschnitte daraus geboten.

„Freiherr“, „Baron“ – die Anrede

Geburt ohne elektrische Beleuchtung

NSDAP in Waake

Anmerkungen: „PG“ = „Parteigenosse“ (der NSDAP). „Alter Kämpfer“ = NSDAP-Mitglied, das bereits vor der „Machtergreifung“ 1933 der Partei beigetreten war. – Durch systematische Recherchen zur möglichen NSDAP-Vergangenheit von niedersächsischen Landtagsabgeordneten (Klausch 2008, Glienke 2012) ist inzwischen bekannt, dass auch für Adolf Freiherr von Wangenheim eine Mitgliederkarteikarte existierte. Dies konnte mit Einverständnis von A. v. Wangenheims durch eigene Recherchen des Landschaftsverbandes beim Bundesarchiv verifiziert werden. Demnach lassen sich die Ausführungen im Interview folgendermaßen ergänzen: [weiterlesen]

Einsatz für den Erhalt der Klosterkammer Hannover

Weg in die Politik und in die CDU

 


Vortrag auf dem Klosterkammertag von 1993:
„Alte und neue Landschaften in Niedersachsen“

Am 7.9.1993 hielt Adolf Freiherr von Wangenheim auf dem Klosterkammertag im Kloster Barsinghausen einen Vortrag, der einen guten Überblick über die Eigenart der historischen Landschaften und deren Verbindung zu den „modernen“ niedersächsischen Landschaftsverbänden gibt. [weiterlesen] [Vortrag als PDF-Datei]

 


Porträt von Eike Christian Hirsch: „So leise wie effektiv“

Der Sammelband „Verantwortung in Gesellschaft, Kirche und Staat“ erschien 2007 als Festschrift zum 80. Geburtstag von Adolf Freiherr von Wangenheim. Herausgeber war Axel Freiherr von Campenhausen (ISBN 978-3-00-020608-5). Einer der 20 Autoren war der Publizist Eike Christian Hirsch, der in einem sehr persönlichen Porträt die Erfahrungen, das Wirken und die Leistungen von Adolf Freiherr von Wangenheim zusammenfasst. [Beitrag als PDF-Datei]